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Warum Grippeviren für Männer gefährlicher sind

Männer gelten als wehleidig, wenn es um Erkältungen geht. Tatsächlich hat sie die Natur benachteiligt.

MeinungMichèle Binswanger
Weil Testosteron die Immunreaktion des Körpers unterdrückt, müssen Männer häufiger zum Nastuch greifen. Foto: Alamy
Weil Testosteron die Immunreaktion des Körpers unterdrückt, müssen Männer häufiger zum Nastuch greifen. Foto: Alamy

Die Grippesaison ist noch nicht aus­gestanden, das Coronavirus auf dem Vormarsch, und Sie fühlen sich heute auch nicht besonders? Wenn Sie dazu noch männlichen Geschlechts sind, sollten Sie vorsichtig sein. Es droht doppelte Gefahr. Erstens vor dem Spott der Frauen, die sich unter dem Stichwort «Männergrippe» gern über die Wehleidigkeit der Männer aus­lassen. Gemeint ist die Neigung von Angehörigen des starken Geschlechts, sich schon bei geringfügigen Er­kältungssymptomen in wimmernde Häufchen Elend zu verwandeln. Das herauszustreichen, finden oft auch jene Frauen vollkommen okay, die sonst jeden Hauch von Sexismus mit dem verbalen Flammenwerfer niederbrennen.

Solchen Spott muss ein Kerl natürlich aushalten können, sofern ihn die Häme nicht gerade dann trifft, wenn er erkältet seinem letzten Stündchen entgegendämmert. Denn Erkältungs- und Grippeviren setzen dem Mann tatsächlich zu – mehr als gedacht. Studien aus den USA und Deutschland haben ergeben, dass Männer bei einer Infektion im Schnitt doppelt so lange zu Hause bleiben wie Frauen. Aber nicht etwa, weil sie weniger hart im Nehmen wären. Sondern weil die Natur die Männer diesbezüglich tatsächlich benachteiligt hat.

Paradoxerweise werden jene Männer mit dem höchsten Testosteronspiegel von den Krankheitserregern am konsequentesten flachgelegt.

Das männliche Immunsystem zeigt mit der Bekämpfung der entsprechenden Viren mehr Mühe als das weibliche, haben kanadische Forscher herausgefunden. Deshalb werden Männer bei einer Grippe auch häufiger in die Klinik eingewiesen, und sie sterben öfter daran als Frauen. Schuld ander schlechteren Immunabwehr sind die Hormone.

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen stimuliert die körpereigene Abwehrreaktion, während Testosteron die Immunreaktion des Körpers unterdrückt. Das hat paradoxerweise zur Folge, dass jene Männer mit dem höchsten Testosteronspiegel, also die männlichsten der Männer, von den Krankheitserregern am kon­sequentesten flachgelegt werden.

Auch eine andere US-Studie über das gendertypische Verhalten bei Arzt­besuchen räumt mit Vorurteilen auf. Demnach reduzieren Frauen schon bei nur einem Krankheitssymptom aus dem Bereich Erkältung ihre Aktivitäten auf ein Minimum, während Männer erst dann zugeben, krank zu sein, wenn sie es tatsächlich sind. Wenn schon, sind also die Frauen die Weicheier. Vielleicht sind sie aber auch einfach vernünftiger, wenn sie mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass sie nicht noch andere anstecken. Männer zum Beispiel, die man dann wieder pflegen muss. Dann lieber gleich Bettruhe.

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