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Mein Alltag und Corona«Die Kinder staunen und können es kaum glauben»

Wie verändert die Corona-Pandemie unseren Alltag? Userinnen und User erzählen.

Jassen trotz Social Distancing? Kein Problem für Leser Urs Grossniklaus aus Burgdorf.
Jassen trotz Social Distancing? Kein Problem für Leser Urs Grossniklaus aus Burgdorf.

Corona verändert unser aller Alltag. Wie? Bereits letzte Woche haben zahlreiche Userinnen und User aus ihrem Alltag erzählt. Seither hat das «Forum» viele weitere Mails erhalten, etwa jenes von Urs Grossniklaus aus Burgdorf, der kreativ geworden ist, um weiterhin mit seinen Liebsten jassen zu können. Hier eine Auswahl der Einsendungen:

«Da lebst du plötzlich isoliert, immobilisiert und stillgelegt. Liegst brach und flach. Bitte nein, das darf nicht sein, hab ich mir gesagt. Was kann ich unternehmen? ‹Ig bi aut und offline, auso quasi autline.› Habe Zeit, viel Zeit. Dann der Gedankenblitz: Briefe und Karten schreiben! Wir, die Alten, können das noch. Meine Adressaten: elf Grosskinder und ein Urgrosskind. Meine Themen: So erleben Mamama und Papapa ihre ‹Isolationshaft›. Noch besser: Ich klaube kleine Episoden aus meiner prallvollen Erinnerungskiste und bringe sie zu Papier. Die Kinder staunen, sie lachen, sie können kaum glauben, was sie da aus meiner Kindheit und Jugendzeit vernehmen. Und unsere beiden Generationen sind uns noch näher verbunden. Ich habe es versucht. Es funktioniert! Die Reaktionen sind überwältigend, rührend.»Andres Bühler, Bremgarten

Bis anhin konnte ich alles selber erledigen, so ist es mir peinlich, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Johanna Saurer, Steffisburg

«Am Montag um 9 Uhr schalteten wir SRF 1, ‹My School›, ein, aus ‹Gwunder›, was da wohl gesendet werde. Und siehe da: Seither sitzen wir jeden Morgen zwischen circa 9 und circa 11.30 Uhr vor dem TV und verfolgen gespannt all die verschiedenen und sehr spannenden Beiträge. Wir, die wir sonst nie morgens und selten nachmittags vor der ‹Glotze› sitzen. Diese Sendung können wir allen, die nun in der Quarantäne sind, empfehlen. Die Zeit vergeht wie im Flug, man sieht tolle Bilder aus der ganzen Welt, über fast alle Themen wird berichtet, und zwar verständlich, und man hat ja auch im Alter nie ausgelernt.» Susanne Lüdi, Bern


«Es hat sich einiges verändert in meinem Leben. Ich gehöre mit meiner Diabetes und hohem Alter zur Risikogruppe und verhalte mich den Anweisungen und Empfehlungen des Bundes entsprechend. Ein ganz besonderes Privileg habe ich, denn ich darf im Haus meiner Tochter und meines Schwiegersohns wohnen, somit ist, nach Bedarf, jemand da, und doch will ich sie so wenig wie möglich beanspruchen. Bis anhin konnte ich alles selber erledigen, so ist es mir peinlich, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Zeit vertreibe ich mir damit, Socken zu stricken für meine Grosskinder und Urgrosskinder, Bébéfinkli zu stricken für die Kirchgemeinde, Kreuzworträtsel zu lösen, Computerspiele zu machen, und dann ist noch das Telefon und das iPhone da. So bin ich stets verbunden mit meinem grossen Bekanntenkreis. Langweilig ist es mir nie. Da hört man Musik am Radio oder hat CDs. Zudem mache ich täglich einen Spaziergang und schnappe etwas frische Luft. Vor allem ist die Bewegung wichtig. Von Herzen freue ich mich auf eine Lockerung, man sehe, was kommen mag. Die Auswirkungen werden nachhaltig sein und noch lange ihre Folgen haben.»
Johanna Saurer, Steffisburg


«Als pensionierter Ornithologe habe ich seit Jahren ein Herz für unsere Vögel. So nutze ich nun diese Isolationszeit zu Hause, indem ich Meisen- und Staren-Nistkästen baue. Diese werden meistens sofort angenommen und besetzt. So kann ich mich in den nächsten Jahren jeweils im Frühling daran erinnern, was das doch für eine spezielle ‹Corona-Epoche› war.»
Bert Inäbnit, Schönried

Bert Inäbnit, Schönried

«Kurz vor dem Zeiten Weltkrieg wurde ich geboren. Ich wuchs in einer total anderen Welt auf, als es die heutige ist. Wir waren alle gleich arm, die Frauen halfen einander, manchmal sogar mit Lebensmittelmarken für eine Familie mit vielen Kindern. In meiner Kindheit habe ich von meiner Mutter gelernt, anzunehmen, was uns das Leben gibt, und zu versuchen, das Beste daraus zu machen. Wenn man so aufgewachsen ist, begleitet das einem durchs ganze Leben. Schon lange habe ich Mühe, die heutige Welt zu verstehen. Sie wird beherrscht von Gier nach Geld und Macht, der Respekt gegenüber den Menschen, den Tieren und der Natur ist verloren gegangen. Mein Mann und ich, wir gehen seit zwei Wochen nicht mehr aus dem Haus. Wir tun dies aus Respekt gegenüber den anderen Menschen jeden Alters. Wir halten uns an die Richtlinien des Bundesrates. Wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben genug zu essen, wir haben einen schönen Balkon, und wir sind gesund, was will man mehr? Es brauchte so was wie dieses Virus, denn anders lernt es die Menschheit nicht. Das einzig Gerechte daran ist, dass es diesmal die ganze Welt trifft und nicht bloss die Menschen, die sonst schon nichts haben.»Silvia Savoia, Hinterkappelen

Jetzt habe ich viel Zeit und die erforderliche Musse, um mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Erna Müller-Rytz, Bolligen

«Eigentlich wollte ich im Alter für niemanden eine Belastung sein, aber jetzt sind wir es für die ganze Welt, und trotzdem werden wir liebevoll umsorgt von Familie und Nachbarn. Das Einzige, was ich für die Bevölkerung tun kann, ist zu Hause bleiben, um zu verhindern, dass ich als Todeskandidat ins Spital eingeliefert werden muss. Jetzt habe ich viel Zeit und die erforderliche Musse, um mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und diese im Forum «Meet my Life» der Uni Zürich zu veröffentlichen oder andere Biografien zu lesen und vielleicht auch zu kommentieren.»Erna Müller-Rytz, Bolligen


«Gestern habe ich meinen Freundinnen via Handy zehn Zeichen wie Smileys, Glocke, Regenbogen usw. gesendet, mit der Bitte, mir doch anhand der Figuren, Zeichen und Symbole eine Kurzgeschichte per Whatsapp zuzusenden. Es ist sehr spannend, wie diese kleinen Anhaltspunkte rührende Geschichten zum aktuellen Zeitgeschehen hervorbringen. Es bewegt mich, wie diese kurzen Geschichten lange währen. Am meisten freuen wir uns dann auf unser langersehntes Wiedersehen mit Vorlesen in der guten Stube, darauf, eine Preisverleihung vorzunehmen, einander zu gratulieren und uns nach langer, langer Zeit in die Arme zu schliessen.»
Herzlich, Ruth Bachmann, Münsingen

Das Virus dominiert unser Leben. Teilen Sie mit anderen, wie sich ihr Alltag verändert hat. Erzählen Sie wie sie die Zeit daheim nutzen. Was Sie endlich anpacken oder ganz sein lassen. Deponieren Sie Aufsteller und Absteller. Sagen Sie Danke. Weisen Sie auf Solidaritätsaktionen hin. Stellen Sie Fragen, geben Sie Tipps. Tun Sie das via Mail an redaktion@bernerzeitung.ch oder mittels Kommentar direkt hier auf unserer Webseite. Schicken Sie uns Bilder oder ein Video. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse an.