Zum Hauptinhalt springen

Coronavirus weltweit+++ US-Bundesstaat führt Vorwahl durch +++ Boeing setzt «Dreamliner»-Produktion aus

Der angeschlagene Luftfahrtriese stoppt aufgrund der Krise auch die Produktion seines Langstreckenjets 787 «Dreamliner». Internationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In vielen Ländern der Welt gelten wegen der Ausbreitung des Coronavirus Einschränkungen oder gar Ausgangssperren.
  • Die Wirtschaft steht vielerorts still. Die EU sucht nach Lösungen für Hilfspakete.
  • In den USA sehen Virologen Anlass zur Sorge.
  • Ein Impfstoff gegen den Erreger ist noch nicht in Sicht.

Hier sehen Sie, wie die Massnahmen in der Schweiz wirken: Der Ausbruch im Vergleich mit anderen Ländern.

LIVE TICKER BEENDET

Vorläufiger Höhepunkt in New York

Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Corona-Krise in New York hat der besonders heftig getroffene US-Bundesstaat 731 Tote an nur einem Tag verzeichnet. Insgesamt lag die Zahl der Toten damit bei etwa 5500, wie Gouverneur Andrew Cuomo bei seiner täglichen Pressekonferenz sagte. In den vergangenen Tagen waren um die 600 Patienten in dem Staat gestorben.

Der Gouverneur machte aber wegen anderer, sinkender Zahlen - vor allem die neu eingelieferter Patienten - Hoffnung: «Soweit wir sehen, gibt es eine Abflachung (der Kurve) oder ein mögliches Plateau. Das liegt an dem, was wir tun. Und wir müssen es weiter tun.» In New York mit seinen knapp 20 Millionen Einwohnern gelten seit Wochen strenge Ausgangsbeschränkungen.

Unterdessen werden in der gleichnamigen Millionenmetropole weiterhin alle möglichen Gebäude zu Notfallkliniken umfunktioniert, zum Beispiel die Kathedrale St. John the Divine. In dem knapp 200 Meter langen Kirchenschiff sollen Zelte für bis zu 200 Patienten aufgebaut werden, berichteten Lokalmedien am Dienstag unter Berufung auf Dekan Clifton Daniel. Auch die darunterliegende Krypta soll genutzt werden. Die rund 100 Jahre alte Episkopalkirche im Nordwesten Manhattans gilt als eines der grössten gotischen Gotteshäuser der Welt.

Boeing setzt 787-Dreamliner-Produktion in South Carolina aus

Der angeschlagene Luftfahrtriese Boeing stoppt aufgrund der Corona-Krise nun auch die Produktion seines Langstreckenjets 787 Dreamliner. Der Betrieb im Werk in North Charleston werde daher bis auf Weiteres ausgesetzt.

«Es ist unsere Verpflichtung, uns auf die Gesundheit und Sicherheit unserer Team-Mitglieder zu konzentrieren», teilte US-Konzern am Montag nach Börsenschluss mit. Am Sonntagabend erst hatte der Flugzeugbauer bekanntgegeben, die Produktionspause in seinen Fabriken im Bundesstaat Washington auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

In der dortigen Region Puget Sound – die eines der US-Epizentren der Corona-Pandemie ist – beschäftigt der Konzern knapp die Hälfte aller seiner Mitarbeiter. Wegen eines Fertigungsstopps bei dem nach zwei Flugzeugabstürzen weltweit mit Startverboten belegten Verkaufsschlagers 737 Max ist Boeings Produktion seit Januar ohnehin schon sehr stark eingeschränkt.

Boeing «groundet» auch die Produktion seines Langstreckenjets Dreamliner». (Archivbild)
Boeing «groundet» auch die Produktion seines Langstreckenjets Dreamliner». (Archivbild)
Foto: Keystone

US-Bundesstaat führt Vorwahl durch

Trotz der Corona-Krise soll es im US-Bundesstaat Wisconsin an diesem Dienstag nun doch die geplante Vorwahl geben. Das Oberste Gericht habe die angeordnete Verschiebung durch Gouverneur Tony Evers aufgehoben, schrieb der Vorsitzende der Demokratischen Partei in Wisconsin, Ben Wikler, am Montagabend (Ortszeit) auf Twitter. «Tausende werden aufwachen und müssen sich entscheiden, ob sie ihr Wahlrecht ausüben oder gesund und sicher bleiben wollen», erklärte Gouverneur Evers. Das Urteil lasse zu, dass die Wahl wie geplant laufe – gegen den Rat von Gesundheitsexperten und mit einem «extremen Risiko» für die Öffentlichkeit.


Der linke Senator Bernie Sanders, der wie Ex-US-Vizepräsident Joe Biden für die demokratische Präsidentschaftskandidatur antritt, kritisierte die Entscheidung scharf. «Lasst uns klar sein: Diese Wahl inmitten des Coronavirus-Ausbruchs abzuhalten, ist gefährlich, missachtet die Empfehlung der Gesundheitsexperten und kann sich durchaus als tödlich erweisen», warnte Sanders in einer Mitteilung.


Die Entscheidung des Supreme Courts kam nur wenige Stunden nachdem Evers in letzter Minute die Verschiebung der Vorwahl um zwei Monate angeordnet hatte.
Vertreter der Republikaner in Wisconsin waren gerichtlich gegen die Entscheidung vorgegangen und warfen Evers ein «verfassungswidriges Manöver» vor. Es überschreite die Befugnisse des Gouverneurs, eine Wahl «abzusagen», argumentierten sie.



Wie genau der Wahltag nun ablaufen wird, ist unklar. Diverse andere Bundesstaaten hatten ihre ursprünglich für März und April angesetzten Abstimmungen wegen der Pandemie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Frankreich: Höhepunkt noch nicht erreicht

Frankreich hat nach Einschätzung der Regierung den Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht. «Wir sind noch immer in einer Phase der Verschlechterung», sagt Gesundheitsminister Olivier Veran im Fernsehsender BFM. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens blieben so lange in Kraft, wie das nötig sei.

Nach den am Montag veröffentlichten Daten ist der Anstieg der Zahl der am Virus gestorbenen Patienten wieder steiler geworden. Fast 9000 Menschen sind bislang der Lungenkrankheit Covid-19 erlegen.

Johnsons Gesundheitszustand unverändert

Der an Covid-19 erkrankte britische Premierminister Boris Johnson liegt weiter auf der Intensivstation eines Londoner Krankenhauses. Sein Gesundheitszustand sei unverändert, sagen zwei Personen aus seinem Umfeld gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Johnson wurde am Montagabend auf die Intensivstation verlegt und mit Sauerstoff versorgt. Die Regierung sprach von einer Vorsichtsmassnahme für den Fall, dass Johnson beatmet werden müsse.

Wegen Coronavirus: Premier Boris Johnson befindet sich seit Montag auf der Intensivstation des Londoner St Thomas' Hospital.
Wegen Coronavirus: Premier Boris Johnson befindet sich seit Montag auf der Intensivstation des Londoner St Thomas' Hospital.
Foto: Andy Rain, EPA/Keystone

China meldet erstmals keine neuen Toten

Erstmals seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat China keine neuen Todesopfer mehr gemeldet. Schon seit Wochen gab es den offiziellen Angaben zufolge täglich kaum noch neue Infektionen und nur noch wenige neue Tote in der Volksrepublik. Am Dienstag führte die Statistik der Pekinger Gesundheitskommission nun zum ersten Mal seit Januar überhaupt keinen neuen Todesfall mehr auf.

Erneut gab es laut den Angaben 32 «importierte» Infektionen, die bei Menschen bei der Einreise nach China nachgewiesen wurden. Insgesamt sind den offiziellen Angaben zufolge in China bislang 3331 Menschen durch die Lungenkrankheit Covid-19 ums Leben gekommen, 81740 haben sich demnach nachweislich infiziert.

Die tatsächlichen Zahlen dürften allerdings deutlich höher liegen, da die Art der Erhebung immer wieder geändert worden ist und viele Fälle nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

Massnahmen in Wuhan werden gelockert

Als Zeichen, dass sich die Lage gebessert hat, sollen mehr als zweieinhalb Monate nach der Abriegelung der chinesischen Metropole Wuhan die letzten Beschränkungen der Bewegungsfreiheit für die elf Millionen Bewohner aufgehoben werden. In der schwer betroffenen Metropole, wo die Pandemie im Dezember ihren Ausgang genommen hatte, wird ab Mitternacht Ortszeit (Dienstag 1800 MESZ) der Verkehr normalisiert.

Auch wird der Flugverkehr am Mittwoch wieder aufgenommen. Autos dürfen die Stadt wieder verlassen und die Menschen mit dem Zug reisen – vorausgesetzt, sie sind gesund und hatten jüngst keinen Kontakt zu Infizierten. Die Öffnung der Stadt ist für China ein wichtiges Signal, das Schlimmste überwunden zu haben.

Philippinen: Ausgangssperre um zwei Wochen verlängert

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat die Regierung der Philippinen die Ausgangsbeschränkungen auf der Hauptinsel Luzon um zwei Wochen bis zum 30. April verlängert.

Der Schritt werde dem Land unter anderem mehr Zeit geben, die Zahl der Tests zu erhöhen, sagte der zuständige Regierungsbeamte Karlo Nograles am Dienstag in Manila. «Wir haben den Höhepunkt der Infektionen noch nicht erreicht», warnte er.

Auf Luzon, wo mehr als die Hälfte der über 100 Millionen Einwohner des Landes leben, gelten seit dem 16. März strenge Ausgangsbeschränkungen. In dem südostasiatischen Inselstaat haben die Gesundheitsbehörden bislang 3660 bestätigte Fälle von Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet, 163 Infizierte starben.

Hamsterkäufe verhindern Einbruch von Konsumausgaben in Japan

Die Konsumenten in Japan haben im Februar zwar weniger ausgegeben als vor einem Jahr. Allerdings brach der Konsum nicht so sehr ein wie befürchtet.

Der Rückgang der Ausgaben betrug 0,3 Prozent, wie Daten der Regierung am Dienstag zeigten. Analysten hatten ein Minus von 3,9 Prozent erwartet.

Die Japaner deckten sich im Zuge der Corona-Krise mit Lebensmitteln und Atemschutzmasken ein. Der Absatz von Toilettenpapier schnellte um 47 Prozent in die Höhe.

Schwedische Regierung will mehr Befugnisse

Die schwedische Regierung bemüht sich um mehr Durchgriffsrechte im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Unter anderem geht es um das Recht, Flughäfen oder Bahnhöfe ohne Zustimmung des Parlaments zu schliessen. «Wir haben gesehen, wie rasch sich die Lage in Schweden und Europa verändern kann, und wir brauchen mehr Möglichkeiten, um schnell reagieren zu können, sollte das nötig werden», erklärte Gesundheitsministerin Lena Hallengren. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten hat Schweden das öffentliche Leben wegen der Coronavirus-Pandemie bislang kaum eingeschränkt. Die Schulen in dem Land sind ebenso wie Restaurants oder Fitness-Studios weiter geöffnet.

Die zusätzlichen Befugnisse der schwedischen Regierung sollen zunächst für drei Monate gelten. Das Parlament solle die Möglichkeit erhalten, den einzelnen Massnahmen so schnell wie möglich nach deren Erlass zuzustimmen. Die Verhängung des Kriegsrechts zähle nicht zu den zusätzlichen Befugnissen, die sich die Regierung sichere. Wann das Parlament über den Gesetzentwurf abstimmen soll, war zunächst unklar. Die schwedische Regierung hat bisher Zusammenkünfte von mehr als 50 Menschen untersagt und Besuche in Altenheimen verboten. Der Universitätsbetrieb läuft online ab.

47 Neuinfektionen in Südkorea

Südkoreas Gesundheitsbehörden haben den zweiten Tag in Folge weniger als 50 Neuinfektionen mit dem Coronavirus erfasst. Am Montag wurden 47 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet, wie die Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention am Dienstag mitteilten. Schon am Sonntag war die Zahl der Nachweise zum ersten Mal seit dem Höhepunkt Ende Februar mit mehr als 900 Fällen innerhalb von 24 Stunden auf unter 50 zurückgegangen. Südkorea gilt mittlerweile unter anderem dank seines rigiden Testprogramms als Vorbild für die Eindämmung des Virus.

Die Gesamtzahl der Infektionen stieg im Land auf 10'331. Bisher wurden 192 Todesopfer in Verbindung mit der Lungenkrankheit Covid-19 gebracht. Knapp 7000 Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt hatten, gelten als genesen.

Die Behörden riefen die Menschen auf, trotz des Abwärtstrends bei den Fallzahlen weiter streng die Kampagne zur Vermeidung sozialer Kontakte zu befolgen. Sorgen bereiten ihnen weiterhin lokale Häufungen von Infektionen in Krankenhäusern oder Kirchengemeinden sowie eine Zunahme von «importierten Fällen». Zahlreiche Südkoreaner kehren aus Angst vor einer Ansteckung aus Ländern zurück, in denen sich das Virus rasch ausbreitet.

Rückgang in China

China meldet einen Rückgang der Neuinfektionen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden am Montag 32 neue Fälle bestätigt nach 39 am Tag zuvor. Bei allen 32 Neuinfektionen handle es sich um Reisende, die aus Übersee nach China gekommen seien. Insgesamt seien nunmehr 81'740 Fälle erfasst. 3331 Menschen seien gestorben.

Hoffnung an asiatischen Märkten

Die an den Finanzmärkten aufgekommene Hoffnung auf eine Entspannung der Corona-Krise in den USA und in Europa lässt Anleger in Japan bei Aktien zugreifen. Für Kauflaune sorgte am Dienstag ausserdem das angekündigte, knapp eine Billion Dollar schwere Konjunkturpaket der japanischen Regierung. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte gegen Mittag in Tokio 1,2 Prozent höher bei 18.791 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte ebenfalls um 1,2 Prozent zu auf 1393 Zähler.

Im asiatischen Devisenhandel verlor der Dollar 0,2 Prozent auf 108,99 Yen. Zur Schweizer Währung notierte er bei 0,9785 Franken. Der Euro legte 0,1 Prozent zu auf 1,0809 Dollar. Das Pfund Sterling blieb in der Defensive, nachdem der an Covid-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson auf die Intensivstation verlegt wurde. Zum Euro verlor es 0,2 Prozent auf 88,39 Pence.

«Entscheidende und schwierige Phase»

Der Kampf gegen das Coronavirus geht nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in den USA in dieser Woche in eine «entscheidende und schwierige Phase». «Wir werden eine harte Woche haben, wir werden vielleicht etwas mehr als eine harte Woche haben», sagte Trump am Montagabend bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus. «Aber am Ende dieses Tunnels ist gewaltiges Licht.» Er hob die Bundesstaaten New York und New Jersey hervor - dort ist die Situation besonders angespannt. «Wir werden dieses Virus schlagen, wir werden es zusammen schlagen», sagte Trump.

Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, der Virologe Anthony Fauci, zeigte sich angesichts des Rückgangs der Zahl der neu in den Krankenhäusern in New York aufgenommenen Patienten und der Zahl der dort Intubierten vorsichtig optimistisch.

«Das ist die Art von guten Zeichen, nach denen man sucht», sagte er. «Man fängt nicht mal an, darüber nachzudenken, vorzeitig einen Sieg zu verkünden, aber das ist das erste, was man sieht, wenn man die Wende sieht.» Es bleibe noch viel zu tun. «Wir müssen realisieren, dass das trotz all des Leidens und des Todes ein Hinweis darauf ist, dass das, was wir getan haben, funktioniert hat.» Jetzt gelte es, damit weiterzumachen, um aus der Krise herauszukommen.

Alle zwei Wochen einkaufen

Die Beraterin von US-Präsident Donald Trump, die Ärztin Deborah Birx, hat an die Amerikaner appelliert, alles zu tun, um die Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen. Dazu gehöre es auch, Einkäufe auf ein Minimum zu reduzieren, machte Birx am Montagabend bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus deutlich. «Wir können vielleicht einmal alle zwei Wochen einen Supermarkt- und Apotheken-Einkauf für die ganze Familie machen», sagte Birx. Dies müsse allein aus Respekt vor den Beschäftigten im Gesundheitssektor geschehen. Jeder müsse wissen, dass das eigene Verhalten einen Unterschied mache. «Wir müssen alles machen, was wir können», sagte Birx. «Wir müssen uns jetzt umeinander kümmern.»

(Bild: Keystone)

Biden ruft Trump an

US-Präsident Donald Trump und sein potenzieller demokratischer Herausforderer bei der Präsidentenwahl, Ex-Vizepräsident Joe Biden, haben wegen der Corona-Krise telefoniert. Es sei eine «wunderbare» und «sehr freundliche Unterhaltung» gewesen, sagte Trump am Montagabend bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus. Biden habe ihn über seinen Standpunkt unterrichtet, sagte Trump. Er wisse es zu schätzen, dass Biden ihn angerufen habe. Auf Inhalte des etwa 15-minütigen Gesprächs ging Trump nicht näher ein.

Das Telefonat ist bemerkenswert, sind sich Trump und Biden doch spinnefeind. Erst am Montag kritisierte Trump seinen politischen Rivalen in einem Tweet. Bidens Wahlkampfteam veröffentlichte seinerseits eine Mitteilung mit kritischen Fragen und Vorwürfen an Trump wegen seines Umgangs mit der Coronavirus-Pandemie. Trump habe die Gefahr durch das Coronavirus monatelang heruntergespielt, dadurch seien die USA nicht darauf vorbereitet gewesen, die grösste Gesundheitskrise des Landes zu bewältigen, hiess es darin etwa.

Premierminister Johnson auf die Intensivstation verlegt

Der britische Premierminister Boris Johnson ist wegen seiner Covid-19-Erkrankung auf die Intensivstation verlegt worden. Sein Zustand habe sich im Laufe des Nachmittags verschlechtert, bestätigte eine Regierungssprecherin am Montagabend der Deutschen Pesse-Agentur in London. Der 55-Jährige war am Sonntag in das St. Thomas' Hospital gebracht worden. Er hatte seine Infektion mit dem neuartigen Erreger bereits am 27. März öffentlich gemacht.

Johnson habe Aussenminister Dominic Raab damit beauftragt, ihn zu vertreten, wo es notwendig sei, hiess es in einer offiziellen Mitteilung der Downing Street. «Der Premierminister ist in hervorragenden Händen und dankt allen Mitarbeitern des (Gesundheitsdiensts) NHS für ihre harte Arbeit und ihr Engagement.» Medienberichten zufolge ist Johnson bei Bewusstsein. BBC-Journalist James Gallagher schreibt auf Twitter, der Premierminister werde nicht beatmet.

«Meine Gedanken sind beim Premierminister und bei seiner Familie – ich sende ihm alle guten Wünsche», twitterte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon. Finanzminister Rishi Sunak teilte ebenfalls per Twitter mit, seine Gedanken seien bei Johnson und dessen schwangerer Verlobter Carrie Symonds.

Auch Symonds verbrachte eine Woche mit Symptomen der Lungenkrankheit im Bett. Das Paar hatte Ende Februar seine Verlobung bekanntgegeben. Das Baby soll im Frühsommer auf die Welt kommen.

Deutlich an Gewicht verloren

Nachdem Johnson von seiner Infektion erfuhr, arbeitete er zunächst isoliert im Regierungssitz in der Downing Street weiter. In seinen Videobotschaften zur Pandemie gab er sich optimistisch, er wirkte aber bereits angeschlagen und hatte auch deutlich an Gewicht verloren. Am Sonntag musste er dann in die Klinik gebracht werden.

Er sei auf Anraten seines Arztes «zu einigen Routinetests» ins Krankenhaus gegangen, hatte Johnson noch am Montag per Twitter mitgeteilt. Nach Angaben eines Regierungssprechers litt er unter Fieber und Husten. Einige britische Medien schrieben hingegen von einer schweren Erkrankung der Lunge. Aussenminister Raab vertrat ihn bereits auf einer Sitzung.

Noch Anfang März hatte der Premierminister damit geprahlt, dass er Menschen in einem Krankenhaus, darunter Covid-19-Patienten, die Hände geschüttelt habe. Das werde er auch weiterhin tun, sagte er damals.

Die britische Regierung steht im Kampf gegen die Pandemie unter erheblichem Druck: Durch einen Schlingerkurs verlor sie wertvolle Zeit, um den Ausbruch einzudämmen. Im chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdienst NHS (National Health Serice) gibt es zudem nicht genügend Tests, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte. Erste Kliniken meldeten britischen Medien zufolge sogar einen Mangel an Sauerstoff für die Beatmung der Lungenkranken.

Boris Johnson wird im Spital St. Thomas in London behandelt.
Boris Johnson wird im Spital St. Thomas in London behandelt.

Dänemark lockert erste Corona-Massnahmen

Nach Österreich und Tschechien hat auch Dänemark eine erste Lockerung seiner in der Corona-Krise ergriffenen Massnahmen angekündigt. In einem ersten Schritt sollten Kinderkrippen, Kindergärten sowie die unteren sechs Jahrgangsstufen von Schulen am 15. April wieder geöffnet werden, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Montagabend auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen. Es handele sich um «die erste vorsichtige Phase der Öffnung», sagte sie. Die Dänen sollten sich jedoch darauf gefasst machen, dass sie noch über Monate wegen der Corona-Pandemie mit Einschränkungen leben müssten.

Dänemark hatte bereits in der ersten Märzhälfte als eines der ersten Länder in Europa mit strikten Massnahmen auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 reagiert. Unter anderem sind seit dem 14. März die Grenzen des deutschen Nachbarlandes für Ausländer ohne triftigen Einreisegrund geschlossen. Schulen, Kindergärten, Restaurants, Cafés, Theater sowie weitere Freizeiteinrichtungen wie Fitness- und Sonnenstudios waren ebenfalls geschlossen worden. Es gilt ein öffentliches Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen.

Frederiksen hatte all das vor zwei Wochen bis einschliesslich Ostern verlängert. Am vergangenen Montag hatte sie aber erstmals in Aussicht gestellt, dass sich Dänemark langsam und Schritt für Schritt wieder öffnen könnte, wenn die positiven Entwicklungen im Land anhielten.

Bis Montag wurden nach Behördenangaben knapp 4700 Infektionen in Dänemark bestätigt, hinzu kommen fast 200 nachgewiesene Fälle auf den zum dänischen Königreich zählenden Färöer-Inseln und Grönland. Die Dänen gehen aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Bislang sind 187 Menschen mit Covid-19-Erkrankung im Land gestorben.

Mehr als 10'000 Todesfälle in den USA

In den USA sind inzwischen mehr als 10 000 Menschen nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Die Zahl der bekannten Infektionen stieg bis Montagnachmittag (Ortszeit) auf rund 350 000, deutlich mehr als in jedem anderen Land der Welt. Das geht aus Daten der amerikanischen Universität Johns Hopkins hervor.

Der oberste Gesundheitsbeamte in den USA, Jerome Adams, hatte die Amerikaner bereits auf einen Anstieg der Todeszahlen eingestimmt. «Dies wird die härteste und traurigste Woche im Leben der meisten Amerikaner sein», sagte Adams am Sonntag dem Sender Fox News. «Dies wird unser Pearl Harbor-Moment sein, unser 9/11-Moment – nur wird es nicht begrenzt auf einzelne Orte, sondern im ganzen Land passieren.»

Die USA, ein Land mit 330 Millionen Einwohnern, sind gemessen an den absoluten Infiziertenzahlen am stärksten von der Corona-Krise betroffen. Die Fallzahlen in einzelnen Ländern lassen sich wegen der unterschiedlichen Testquote und erwarteten hohen Dunkelziffer jedoch nur begrenzt vergleichen.

Gouverneur sieht New York am Corona-Höhepunkt

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sieht für den besonders heftig vom Coronavirus getroffenen Bundesstaat Licht am Ende des Tunnels. Zwar sei die Zahl der in der Pandemie gestorbenen in New York im Vergleich zum Vortag um 599 auf 4758 gestiegen, dies liege jedoch im Bereich der Vortage, sagte Cuomo am Montag auf seiner täglichen Pressekonferenz. Zudem sei die Zahl der neu in die Krankenhäuser Eingelieferten deutlich zurückgegangen, genauso wie die Zahl der Intubierten. Die Zahl der positiv auf Covid-19 getesteten liege nun bei mehr als 130'000.

Cuomo warnte die New Yorker aber davor, nun nachlässig zu werden und das Virus zu unterschätzen. «Es ist nicht die Zeit, um Frisbee mit Deinem Freund im Park zu spielen». Die Schliessung aller nicht «lebenswichtigen» Geschäfte und Schulen liess Cuomo bis Ende April verlängern. Er betonte dabei, dass das Gesundheitssystem «an seiner Kapazitätsgrenze» sei, dies werde in den kommenden Tagen so bleiben. Es könnte auch sein, dass die Zahlen wieder ansteigen werden. Die Situation sei vor allem eine heftige Bürde für das medizinische Personal, das unter heftigem Druck stehe.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.
New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.
Foto: John Lamparski/Getty Images

Johnson twittert aus der Klinik

Der mit dem Coronavirus infizierte britische Premierminister Boris Johnson ist nach Worten seines Sprechers nach einer «beschwerdefreien» Nacht in der Klinik in «guter Stimmung». «Er bleibt im Spital unter Beobachtung», fügt der Sprecher hinzu.

Johnson selbst schreibt auf Twitter, er habe immer noch «Coronavirus-Symptome». Details zu seinem Gesundheitszustand nennt er keine.

Polizisten bewachen den Zugang zum St. Thomas' Hospital in London, wo der Premier am Sonntagabend hingebracht wurde. (6. April 2020) Bild: Simon Dawson/Reuters

Merkels Forderungen in der Virus-Zeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in Berlin, die Europäische Union stehe in der Corona-Krise vor ihrer grössten Bewährungsprobe seit Bestehen des Staatenbundes. Es müsse das Interesse aller sein, dass Europa gestärkt aus dieser Krise komme. Das gelte besonders auch für die Länder der Euro-Zone. «Deutschland wird es auf Dauer nur gut gehen, wenn es Europa gut geht», erklärte Merkel.

Sie schloss eine Lockerung der zahlreichen Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens vor dem 19. April aus. Die Kanzlerin verwies darauf, dass alle Massnahmen bis zu diesem Tag angesetzt seien. «Daran wird sich auch nichts ändern», sagte die Kanzlerin. Zugleich versicherte sie, sobald es die gesundheitliche Lage zulasse, werde das öffentliche Leben zum Zustand vor der Krise zurückkehren. «Das ist überhaupt gar keine Frage.» Man müsse aber immer im Blick haben, ob Menschenleben gefährdet seien.

Ausserdem meinte sie, dass Deutschland und Europa eigene Fähigkeiten zur Produktion von Schutzausrüstungen aufbauen müssten. «Wir müssen hart arbeiten», damit das medizinische Personal mit den erforderlichen Produkten ausgestattet werden könne, sagte Merkel im Kanzleramt.

«Wir müssen hart arbeiten»: Die Bundeskanzlerin in Berlin. (Reuters/Archiv)

(red/sda/reuters)